Basic-Synth (6) – Dynamik tut Not!

von | Apr 25, 2021 | ReaktorBasic

Nichts ist dröger, als ein Ton, der von Anfang bis Ende in der selben Lautsärke vor sich hinbröselt. Wir werden das ändern, in dem wir eine Hüllkurve zum Einsatz bringen…

[01]

Um was wird es gehen

Hüllkurve, Envelope, ADSR? Schon mal gehört? Hüllkurven (meist nach dem ADSR-Prinzip), sind fester Bestandteil des Sound-Designs. Lassen sich damit doch dynamische Verläufe von Lautstärken oder Klangfarben realisieren. Wir werden uns in diesem Beitrag mit dem Verlauf der Lautstärke beschäftigen, da diese nicht unerheblich für den Klangcharakter ist. Ein weicher Flächensound blendet langsam ein und klingt nach, während der Ton einer elektrischen Orgel spontan anspricht und ebenso wieder endet. Weil das wichtig ist, also erst mal eine Runde Theorie, damit ihr wisst, um was es hier gehen soll (ich schrieb an anderer Stelle bereits zu diesem Thema:

Ohne Hüllkurve

Stellen wir uns hierzu ein beliebiges, zeitabhängiges Ereignis im Synthesizer vor. Eine Taste wird gedrückt, der Oszillator macht seinen Job, erzeugt eine Schwingung und bricht diese nach dem loslassen der Taste wieder ab. So weit, so langweilig. Was wäre, wenn sich die Lautstärke (Y-Achse) im Verlauf der Zeit (X-Achse) verändern könnte? Und genau da setzt eine Hüllkurve an!

Mit Hüllkurve

Eine Hüllkurve tut, was ihr Name sagt: Sie hüllt ein Ereignis über die Dauer einer Zeit ein und beeinfluss so das Ergebnis. Jede Hüllkurve besteht aus verschiedenen Abschnitten, nach denen die Kurve benannt wird. Beim klassischen analogen Synthesizer passiert das in der Regel über verschiedene Spannungswerte, weshalb ich beim nächsten Bild diesen Begriff verwenden werde. Am gebräuchlichsten ist die Version ADSR, mit der die Abschnitte Attack, Decay, Sustain und Release gemeint sind. Schauen wir uns im nächsten Bild an, was diese Abschnitte bewirken:

ADSR

  • A – Die Attack-Phase wird durch ein Ereignis wie z. B. das drücken einer Taste ausgelöst und durch die Dauer definiert. Diese gibt die Zeit an, in der die Spannung von Null bis auf ein vorgegebenes Maximum ansteigt.
  • D – Unmittelbar danach beginnt die Decay-Phase. Diese legt die  Zeit fest, in der die Spannung vom Maximum auf den Sustain-Pegel absinkt.
  • S – Der folgende Sustain-Wert definiert sich nicht über die Zeit, sondern über die Höhe des Pegels, während die Taste gehalten wird. Das ereignet sich erst dann, wenn die Decay-Phase abgelaufen ist. Wird die Taste vor dem Ende der Decay-Phase losgelassen, wird die Hüllkurve direkt mit der Release-Phase fortfahren. Dann spricht man von einer ADR-Hüllkurve.
  • R – Die Release-Phase beginnt mit dem loslassen der Taste und definiert den Zeitraum, in dem die Spannung vom Sustain-Pegel auf Null absinkt. In der Praxis ist das die Zeit, wie lange der Ton nachklingt.

So wird das bei unserem Synthesizer aussehen: So komplex das Thema klingt, so einfach ist es in diesem Fall umzusetzen: Ein Envelope-Modul, 4 Drehknöpfe und ein paar umgesteckte Drähte. Machen wir uns an die Arbeit. 

Abb. 1: Vorschau Hüllkurve

[02]

Hüllkurven hat der Reaktor jede Menge zu bieten: 18 an der Zahl, die sich alle durch verschiedene Kombinationen aus Attack, Hold, Decay, Breakpoints, Sustain und anderen Optionen unterscheiden.
Wir starten zunächst mit der klassischen ADSR-Hüllkurve, weil die auch optisch gut reinpasst und alle wichtigen Aspekte abdeckt. Wenn ihr eine andere Hüllkurve ausprobieren wollt, wird sich nur die Zahl der erforderlichen Regler (und damit der Platzbedarf) ändern. Fühlt euch also frei 🙂

Um die Hüllkurve wirksam werden zu lassen, trennen wir erst einmal das Gate-Modul von allen A-Eingängen der Oszillatoren ab. Zukünftig wird die Hüllkurve ja den Verlauf der Lautstärke bestimmen. Das Gate-Modul triggert jetzt lediglich die Hüllkurve, damit diese weiß, wann sie mit ihrer Arbeit zu beginnen hat.

Wir platzieren also zuerst die Hüllkurve unserer Wahl…

  • Kontextmenü > Build-In Module > LFO, Envelope > ADSR

 …und aktivieren dann im Reiter „View“ in der Side-Pane unter „Visible“ die Option  „On“. Damit aktivieren wir automatisch eine Interaktive Darstellung der Hüllkurve, die dann jeder unserer Reglerbewegungen folgen wird. Das vermittelt (analog zu unserem Oszilloskop) einen guten Eindruck vom Geschehen und sieht schick aus.

Dem Envelope-Modul gebe ich ebenfalls eine Breite von 240 Pixel und eine Höhe von 123 Pixel und parke es links vom Oszilloskop. Zum einen, weil die Hüllkurve noch vor den Oszillatoren ansetzt und zum anderen, weil das Oszilloskop z. B. auch die Auswirkungen der Hüllkurve darstellen wird: Wächst die Lautstärke langsam, wächst auch die Amplitute der Wellenform langsam an.

Das zuvor abgeklemmte Gate-Modul wird also mit dem G-Eingang der Hüllkurve verbunden. Anschließend können wir schlicht und einfach mit einem Rechtsklick auf die Hüllkurven-Eingänge und dem Kontextmenü (Create Control) die erforderlichen 4 Drehregler erzeugen und in der Pane-Ansicht schön anordnen.

Abb. 2: Verschaltung der Hüllkurve

Mit der Einstellung der Hüllkurve im ersten Bild erzeugt ihr einen Klang, der sich langsam aufbaut und nach dem Loslassen der Taste noch ein wenig nachklingt. Der untenstehende Clip lässt euch sehen und hören, wie die Hüllkurve arbeitet.

Abb. 3: Arbeitsweise der Hüllkurve

[03]

Da fehlt was – ein Ausblick auf das nächste Kapitel

Das Ergebnis ist jetzt prima für schöne Flächen – aber halt! Da fehlt etwas ganz wichtiges!

Unser Synthesizer ist, wie seine Urahnen aus den 60ern und frühen 70ern monophon! Er ist also nur einstimmig zu spielen. Das ist für eine Fläche nicht wirklich hilfreich. Die ersten „erschwinglichen“ polyphonen (mehrstimmigen) Synthesizer gab es ab dem Ende der 70er Jahre. Einer der berühmtesten Vertreter war Sequential Circuits Prophet 5.
Unser Synthesizer soll also auch polyphon werden. Das Realisieren der Polyphonie in unserem Synthesizer ist erheblich einfacher, als bei den Hardware-Urahnen. Wir werden in den Einstellungen nur einen Wert ändern – und uns danach ein paar rot markierten (also fehlerhaften) Kabelverbindungen annehmen müssen.

Das wird ein Spaß!

Kontakt

Bernd Scheurer
Mainstraße 2
64390 Erzhausen
Fon: 06150 865902
Mobil: 0151 50411034
unterricht@bernd-scheurer.de

Freie Plätze Erzhausen

ab sofort

Freie Plätze Langen

Zur Zeit keine Plätze eingeplant. Da aber noch Kontingent zur Verfügung steht, bei Bedarf einfach [anfragen].

    Infos

    Auch interessant

    Newsticker

    amazona

    tastenwelt

    klassik heute

    jazz thing

    • Be happy
      Source: jazz thing Published on 2011-07-19 By Lili Lameng
    • Der Jazzmusiker ein Feinschmecker?
      Source: jazz thing Published on 2011-06-06 By Anke Helfrich
    • Glamourfaktor
      Source: jazz thing Published on 2011-04-21 By André Nendza
    • Style
      Source: jazz thing Published on 2011-04-09 By Lorenz Hargassner
    • Topsannah
      Source: jazz thing Published on 2011-03-14 By Lili Lameng

    musikexpress

    Title Address Description
    JMS-Erzhausen
    Industriestraße 6-8, 64390 Erzhausen, Deutschland
    Kulturhaus Langen
    Darmstädter Str. 27, 63225 Langen (Hessen), Deutschland
    AES-Langen
    Berliner Allee 90, 63225 Langen (Hessen), Deutschland