Die wollen nur spielen (2) – LFO und HĂŒllkurve, die kleinen Helferlein.

von | Apr. 15, 2021 | Instrument, Synth & More

LFO und HĂŒllkurve sind die unverzichtbaren Helferlein, um den Klang mit Leben zu fĂŒllen. Sie formen und Modulieren z. B. LautstĂ€rken- und Klangfarben-VerlĂ€ufe.

Um was geht es?

Wir erinnern uns: Synthesizer – egal ob Hard- oder Software – gibt es unzĂ€hlige, und jedes Modell hat so seine Besonderheiten. Allen gemeinsam ist aber ein grundsĂ€tzliches Schema, das in Details variiert. Dieser Beitrag soll einen Überblick ĂŒber dieses Schema und seine gĂ€ngigen Varianten liefern. Das folgende Bild zeigt einen fiktiven Synthesizer, anhand dem wir die Funktionsweise des Instruments kennenlernen werden.

,Nachdem wir im letzten Beitrag ĂŒber Oszillatoren, in einem recht langen Artikel, die verschiedenen Arten der Klangerzeugung nĂ€her betrachtet hatten, geht es heute verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kurz um zwei nicht weniger wichtige Komponenten, mit denen Oszillatoren, Filter, VerstĂ€rker und Effekte mit „Leben“ versehen werden.  Die Rede ist von HĂŒllkurven (ADSR) und  Modulatoren (LFO – eine Art langsame Oszillatoren), mit denen verschiedene Aspekte der anderen Bestandteile beeinflusst werden können.

ADSR, die HĂŒllkurve

Die KapitelĂŒberschrift lĂ€sst erahnen, dass es noch andere Varianten gibt. Wir beginnen aber erst einmal mit der „GrundausfĂŒhrung“ und schauen uns an, was ohne HĂŒllkurve passiert und was eine HĂŒllkurve daran Ă€ndern kann: 

Ohne HĂŒllkurve

Stellen wir uns hierzu ein beliebiges, zeitabhĂ€ngiges Ereignis im Synthesizer vor. Da wir zuletzt von Oszillatoren sprachen, wĂ€hlen wir passenderweise den LautstĂ€rkenverlauf eines Tones. Eine Taste wird gedrĂŒckt, der Oszillator macht seinen Job, erzeugt eine Schwingung und bricht diese nach dem loslassen der Taste wieder ab. So weit, so langweilig. Was wĂ€re, wenn sich LautstĂ€rke (Y-Achse) im Verlauf der Zeit (X-Achse) verĂ€ndern könnte? Und genau da setzt eine HĂŒllkurve an!

Mit HĂŒllkurve

Eine HĂŒllkurve tut, was ihr Name sagt: Sie hĂŒllt ein Ereignis ĂŒber die Dauer einer Zeit ein und beeinfluss so das Ergebnis. Jede HĂŒllkurve besteht aus verschiedenen Abschnitten, nach denen die Kurve benannt wird. Beim klassischen analogen Synthesizer passiert das in der Regel ĂŒber verschiedene Spannungswerte, weshalb ich beim nĂ€chsten Bild diesen Begriff verwenden werde. Am gebrĂ€uchlichsten ist die Version ADSR, mit der die Abschnitte Attack, Decay, Sustain und Release gemeint sind. Schauen wir uns im nĂ€chsten Bild an, was diese Abschnitte bewirken:

ADSR

  • A – Die Attack-Phase wird durch ein Ereignis wie z. B. das drĂŒcken einer Taste ausgelöst und durch die Dauer definiert. Diese gibt die Zeit an, in der die Spannung von Null bis auf ein vorgegebenes Maximum ansteigt.
  • D – Unmittelbar danach beginnt die Decay-Phase. Diese legt die  Zeit fest, in der die Spannung vom Maximum auf den Sustain-Pegel absinkt.
  • S – Der folgende Sustain-Wert definiert sich nicht ĂŒber die Zeit, sondern ĂŒber die Höhe des Pegels, wĂ€hrend die Taste gehalten wird. Das ereignet sich erst dann, wenn die Decay-Phase abgelaufen ist. Wird die Taste vor dem Ende der Decay-Phase losgelassen, wird die HĂŒllkurve direkt mit der Release-Phase fortfahren. Dann spricht man von einer ADR-HĂŒllkurve.
  • R – Die Release-Phase beginnt mit dem loslassen der Taste und definiert den Zeitraum, in dem die Spannung vom Sustain-Pegel auf Null absinkt. In der Praxis ist das die Zeit, wie lange der Ton nachklingt.

Wie bereits angedeutet, sind auch andere Konfigurationen möglich. Die Variante ADR haben wir eben schon kennengelernt. Üblich ist zb. auch AHDSR, bei der nach der Attackphase eine Hold-Phase folgt. Oder ganz sophisticated: ADBDSR – Hier folgte auf Attack und Decay ein Breakpoint, daraufhin eine weitere Decay-Phase und erst dann Sustain und Release. Bisweilen kommen HĂŒllkurven mit bis zu 8 Elementen zum Einsatz.
Mit einer solchen Vorrichtung können sich nun LautstĂ€rken, FilterverlĂ€ufe und andere Klangereignisse in eine gewĂŒnschte Form bringen lassen.

LFO, der langsame Kollege des Oszillators

Oszillatoren schwingen in der Regel so schnell, dass sie einen hörbaren Ton generieren. FÀllt die Frequenz unter die Hörschwelle, kann man damit ebenfalls sinnvoll formend auf Klangereignisse im Synthesizer einwirken.

Ohne LFO

Der Einfachheit halber, bedienen wir uns erneut dem LautstĂ€rkenverlauf eines Tones. Same Story: Eine Taste wird gedrĂŒckt, der Oszillator macht seinen Job, erzeugt eine Schwingung und bricht diese nach dem loslassen der Taste wieder ab. Und wieder: so weit, so lanweilig. Was wĂ€re, wenn sich LautstĂ€rke (Y-Achse) diesesmal im Verlauf der Zeit (X-Achse) periodisch verĂ€ndern verĂ€ndern liesse – ungefĂ€hr wie bei einer HĂŒllkurve mit enorm vielen Phasen, nur halt einfacher in der Bedienung? Und genau da setzt der LFO an!

Mit LFO

Die bestimmenden Faktoren eines LFO bestehen aus der Kombination von Frequenz und Tiefe (Depht, bzw. Amplitute). LFOs sind weder auf eine Wellenform, noch auf gleichbleibende Frequenzen und Amplituten festgelegt. Alles ist dynamisch beeinflussbar. Das verleiht ihnen ein Höchstmaß an FlexibilitĂ€t.

Einige bekannte Klang-Effekte basieren auf LFOs:

  • LFO > Tonhöhe: Vibrato
  • LFO > LautstĂ€rke: Tremolo
  • LFO > Filterfrequenz: WhaWha (klassischer Gitarren-Effekt)
  • LFO > LautstĂ€rkenverteilung (links/rechts): Panorama-Effekt

 

Wer aufgepasst hat …

dem ist sicher aufgefallen, dass sich mit HĂŒllkuven auch LFOs und mit LFOs auch HĂŒllkurven beeinflussen lassen. Der KreativitĂ€t sind keine Grenzen gesetzt 🙂

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Bernd Scheurer
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