Library: Glide/Portamento

von | Jul 3, 2021 | ReaktorLibrary

Mit Filtern kann man nicht nur Audio-Signale bearbeiten. Auch Steuerungsdaten sind willkommen. So lassen sich z. B. Höhenunterschiede zwischen zwei Tönen für einen Glide-/Portamento-Effekt verlangsamen.

[01]

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Um was wird es gehen?

Der Dream Theater Keyboarder Jordan Charles Rudess erklärt an einem „Moog Little Phatty“ den Glide-Effekt, den wir hier als Library-Objekt erstellen wollen.Der phantastische Klang in dieser Demo basiert aber nicht nur auf den Glide-Effekt. Der Filter und die Modulation tragen das Ihre dazu bei. Das werden wir aber in diesem Tutorial ignorieren und uns nur um Glide kümmern.

Eigentlich brauchen wir dazu nur einen simplen Lowpass-Filter, den wir mit dem NotePitch-Eingang des Reaktors füttern. Der Lowpass-Filter ist technisch ein sogenanntes RC-Glied, also eine Kombination aus Widerstand und Kondensator. Mit dem Widerstand (hier der Cutoff-Regler) legen wir fest, wie schnell/langsam der Kondensator lädt – und zack – fertig ist der Glide-Effekt. Selbstredend bauen wir noch ein paar kleine Extras ein 😉

[02]

Ein Oscillator muss her!

Um hören zu können, was wir hier anstellen, muss zuerst ein ganz einfacher Oszillator her. Ich habe mich für einen Sinus entschieden, weil er dem Video am nächsten kommt. Es würden nur noch Filter, LFO und Hall fehlen.

Die Teile-Liste ist übersichlich und besteht überwiegend aus den üblichen verdächtigen: NotePitch, Gate, Out (1 und 2). Hinzu kommt der oben erwähnte Sinus-Oszillator und eine simple AR-Envelope (Atttack/Release Hüllkurve) mit zwei Konstanten für A und R, um den Klang etwas gefälliger zu machen. Wir wollen uns ja nicht mit dem Oszillator aufhalten, sondern einen Glide-Effekt bauen.

Wichtig: Dieses Setup ist im Moment noch einstimmig, was aufmerksame Beobachter daran erkennen können, dass die beiden Reaktorausgänge ohne Audio Voice Combiner am Oszillator-Augang hängen. Das ist so auch erst mal in Ordnung. 

Abb. 1: Ein Oszillator

[03]

Glide – der Erste

Von den 6 Modulen, die jetzt dazugekommen sind, sind …

  • … drei ursächlich für den Glide-Effekt,
    • Der Lowpass-Filter ist das unverzichtbare Modul für den Glide-Effekt. Am In-Eingang liegt das NotePitch-Signal an.
    • der Drehregler mit der Bezeichnung „TIME“ liegt am P-Eingang des Filters und steuert die Cutoff-Frequenz, was in unserem Fall gleichbedeutend mit der Dauer des Glide-Effekts ist. Der Drehregler verfügt über einen Wertebereich von -60 bis 60 und einen Default-Wert von -24. Die Step Size beträgt 0. Selbstredend darf hier experimentiert werden.
    • Das A/E (oder A to E)-Modul zwischen Filter und Oszillator ist zwingend notwendig. Ohne dieses Modul bekommen wir den Filter nicht an den Oszillator angeschlossen. Und zwar einfach aus dem Grund, dass der Filter ein Audio-Signal liefert, der P-Eingang des Oszillators aber ein Event-Eingang ist. Die notwendige Übersetzung leistet das A/E-Modul.
  • … zwei dem Komfort dienlich,
    • Es ist denkbar, dass der Effekt ausgeschaltet werden will, ohne jedesmal den TIME-Regler auf 0 zu drehen (und später die alte Position wieder zu finden zu müssen). Das lösen wir mit dem bereits sattsam bekannten Selector und einer Button-Liste mit den Positionen OFF (0) und ON (1).
      In Stellung 0 läuft die NotePitch direkt in den Oszillator, in Stellung 1 nimmt sie den Umweg über den Filter.
  • … und eines räumt auf.
    • Nicht notwendig, aber hilfreich beim Ausdünnen des Datenstroms ist der Step Filter. Er lässt nur Events durch, die kleiner oder größer als das vorher gehende Event sind. Unnötige Doppelgänger werden so eliminiert.

Das ist der eigentliche Glide-Effekt. An dieser Stelle würde es schon reichen, die türkis-blauen Module in ein Macro „Glide“ zu packen und den Ausgang des Macros an den P-Eingang eines Oszillators anzuschließen. Fertig.

Wäre es aber nicht reizvoll, an Stelle des 1-Pole Filters ein paar andere Filter auf ihre Wirksamkeit zu testen und ggf. zur Auswahl vorzuhalten? Genau das werden wir im nächsten Schritt tun. Also nicht erschrecken, wenn ihr die Grafik im folgenden Abschnitt [04] sehen werdet. Es ist nichts weiter passiert, als dass ein paar Filter dazugekommen sind und der Selektor um entsprechende Eingänge erweitert wurde.

Abb. 2: Glide, Grundschaltung.

Abb. 3: GUI – Serviervorschlag

Glide Off über eine Oktave

von Reaktor

Glide Time -24, über eine Oktave

von Reaktor

Glide Time -42 über eine Oktave

von Reaktor

Abb. 3: GUI – Serviervorschlag

Glide Off über eine Oktave

von Reaktor

Glide Time -24, über eine Oktave

von Reaktor

Glide Time -42 über eine Oktave

von Reaktor

[04]

Glide – Das volle Programm

Was ist hier passiert? Eigentlich nicht viel. Wie oben bereits angedeutet, habe ich die Module des Glide-Effekts in ein Macro gepackt, dass einen Eingang für die NotePitch und einen Ausgang für das Signal hat. Welche Filter das sind und was sie zum Glide-Effekt beisteuern, erkläre ich jetzt:

  • Unter dem 1-Pole Filter hat sich ein 2-Pole Filter eingefunden. Der Ein- und Ausstieg wird so etwas weicher.
  • Danach folgt ein 4-Pole Filter, der den Ein- und Ausstieg noch weiter abmildert.
  • 2- und 4-Pole Filter verfügen über einen Resonanz-Eingang, den man ebenfalls kreativ nutzen kann. Das Zumischen der Resonanz sorgt dafür, dass das Signal am Ende des Glide-Vorgangs schwankt, als würde ein in der Amplitude ausblendender LFO auf die Tonhöhe einwirken. Den zugehörigen Regler habe ich mit „JIT“ für „jitter“ beschriftet.
  • Dem 4-Pole Filter folgt ein 1-Pole Allpass Filter den Wechsel „ausserhalb“ der eigentlichen Tonhöhe beginnen oder enden lässt.
  • Und schlußendlich ein Slew.Limiter, der dafür sorgt, dass Glide-Effekte Tonhöhenabhängig stattfinden: Kleine Abstände werden schneller erledigt als Große. Da dieser Filter die Glide-Time „selbst in die Hand nimm“, liegt hier kein Regler an, sondern zwei Konstanten, die die Ober- und Untergrenze des Filters festlegen.

Was die Bedinung angeht, zeige ich euch hier zwei Möglichkeiten: Die Option rechts oben in Abb. 4 nutzt eine herkömmliche Liste in Button-Darstellung. Die Option rechts unten in Abb. 4 wechselt die Filter mit einem horizontalen Fader, der zusätzlich ein Multitext-Modul mit entsprechend hinterlegten Texten ansteuert. Wie das aussehen kann, seht ihr in den Abblidungen 5 und 6.

Abb. 4: Alle Filter und verschiedene GUIs

Abb. 5: GUI – Serviervorschlag Button-Liste

Abb. 6: GUI – Serviervorschlag Fader/Multi-Text

Abb. 5: GUI – Serviervorschlag Button-Liste

Abb. 6: GUI – Serviervorschlag Fader/Multi-Text

[05]

Glide-Portraits …

So sehen die Tonhöhenverläufe der 6 verschiedenen Glide-Einstellungen in unserem Effekt aus: 

Abb. 7: Glide-Galerie

… und deren Entstehung

Wenn ihr die Tonhöhenverläufe auch gerne visualisieren wollt: das ist ganz einfach! Ihr seht hier die Schaltung, bereits in einem Macro verpackt, die mit ganz wenigen Teilen auskommt.

  • Das XY-Modul als zentrales Element für die Darstellung. Wichtig ist hier im Functions-Reiter der Side-Pane den Mx-Wert für Y auf 127 zu setzen (wir erinnern uns: 127 MIDI-Tonhöhen). Alternativ könnt ihr auch das Einganssignal durch 127 Teilen und den Max-Wert für Y bei 1 belassen.
  • Der Ramp-Oszillator als Taktgeber für die X-Achse des XY-Moduls. Am F-Eingang hängt ein Drehregler, mit dem ich die Geschwindigkeit des Displays festlege, am A-Eingang die Konstante 1, die das Display ständig aktiv sein lässt.
    Alternativ kann am A-Eingang auch ein Gate-Modul angelegt werden. Dann arbeitet das Display aber nur bei einer gedrückten Taste. Das ist nicht sonderlich informativ. Testet es am besten selbst aus.

Je nach dem, wieviel Platz ihr für das Display erübrigen könnt, findet ihr durch die Kombination aus der Display-Größe und der Anzeigegeschwindigkeit, die für euch passende Darstellung.

Abb. 8: Oszilloskop

[06]

Glide komplett

So sieht die komplette Schaltung rund um mein Glide-Macro aus. Wie ihr sehen könnt, ist diese Version polyphon, da zwischen Oszillator und Reaktor-Ausgängen die unvermeidbaren Audio Voice Combiner liegen. Die dazu nötigen Einstellungen nehmt ihr im Function-Reiter der Side-Pane für das komplette Ensemble vor.

In diesem Fall ist es sinnvoll, nicht nur die Stimmenzahl zu erhöhen (hier 8), sondern auch im Bereich der Voice Allocation tätig zu werden, um ein musikalischeres Ergebnis zu erreichen: Setzt hierzu die Voice Allocation Methode auf „Nearest“, dann laufen die polyphonen Stimmen nicht so durcheinander.  

Abb. 9: Glide und Umgebung, polyphon

Abb. 10: GUI – Serviervorschlag mit Display

[07]

Downloads

g

Glide-Effekt mit Testumgebung

.ens-Datei, (Zip-File, 17KB)

g

Glide-Effekt Macro

.mdl-Datei, (Zip-File, 6KB)

Kontakt

Bernd Scheurer
Mainstraße 2
64390 Erzhausen
Fon: 06150 865902
Mobil: 0151 50411034
unterricht@bernd-scheurer.de

Freie Plätze Erzhausen

ab sofort

Freie Plätze Langen

Zur Zeit keine Plätze eingeplant. Da aber noch Kontingent zur Verfügung steht, bei Bedarf einfach [anfragen].

    Infos

    Auch interessant

    Newsticker

    amazona

    tastenwelt

    klassik heute

    jazz thing

    • Be happy
      Source: jazz thing Published on 2011-07-19 By Lili Lameng
    • Der Jazzmusiker ein Feinschmecker?
      Source: jazz thing Published on 2011-06-06 By Anke Helfrich
    • Glamourfaktor
      Source: jazz thing Published on 2011-04-21 By André Nendza
    • Style
      Source: jazz thing Published on 2011-04-09 By Lorenz Hargassner
    • Topsannah
      Source: jazz thing Published on 2011-03-14 By Lili Lameng

    musikexpress

    Title Address Description
    JMS-Erzhausen
    Industriestraße 6-8, 64390 Erzhausen, Deutschland
    Kulturhaus Langen
    Darmstädter Str. 27, 63225 Langen (Hessen), Deutschland
    AES-Langen
    Berliner Allee 90, 63225 Langen (Hessen), Deutschland